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Gedankengänge

Erst wenn das Wasser aufwärts fließt, werden wir erkennen,

dass die Welt Kopf steht.

 

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Liebe Öffi-Benutzer!

Was bin ich nicht immer gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Es war meist eine Wohltat sich nicht im Stau herumärgern zu müssen. Nicht konzentriert sein zu müssen, sondern einfach den Tag entspannt beginnen und auch entspannt in den Abend gleiten.
Einfach nur aus dem Fenster starren und die vorbeiziehenden Häuser, Geschäfte, Parks und Menschen beobachten, oder ein paar Seiten in einem Buch lesen oder auch in der Zeitung.

 

Im Prinzip mache ich das ja heute noch so, aber der Erholungswert hat sich in den letzten Jahren dramatisch verringert.
Nicht nur, weil die Menschen stets unfreundlicher und hektischer werden, sondern vor allem wegen einer technischen Errungenschaft (welche ich natürlich auch nutze), die mittlerweile aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist. Das Mobiltelefon.

Dies ist ja an sich nichts Negatives. Der Umgang, der sich entwickelt hat, nimmt sehr wohl eigenartige Züge an.
Das Mitteilungsbedürfnis der Menschheit ist seit jeher groß, jedoch ist einigen unserer Spezies absolut nicht bewusst, dass das Selbsterlebte nicht zwingend derartig spannend und interessant ist, dass es der ganze Waggon erfahren muss.

 

Werte Öffi-Benutzer, ich möchte Euch an dieser Stelle einfach ein paar Beispiele bringen, die es auch in Zukunft nicht in die „Mitfahrenden-Hitparade-der-beliebtesten-Zuhörthemen“ schaffen werden. Zumindest nicht bei mir.

 

Ich will unter anderem nicht wissen, dass das Furunkel am Gesäß seit der letzten Untersuchung wieder einmal um fast einen ganzen Zentimeter gewachsen ist und dies auch der Grund ist, warum der nette Herr im Bus nicht sitzen kann:

„Also ich sag´s Dir Gerd, wenn mir der Doktor heute wieder nur eine Salbe verschreibt werde ich wahnsinnig. Der soll dieses eitrige Ding endlich entfernen, ich kann ja nicht mal mehr normal aufs Kl…..“

Sie verstehen, was ich meine?

 

Es ist mir, auch nach langem Nachdenken, komplett egal, ob der neue Nagellack langsamer trocknet, als der bisher verwendete:

„Sowas hab ich ja noch nicht erlebt. Da redet mir dieser Trampel von Verkäuferin diesen neuen Nagellack ein und was passiert?
Na, was glaubst Du was passiert ist Anna? Der trocknet einfach viel zu langsam! Ein Witz ist das. Zehn Sekunden hat der alte Nagellack dazu benötigt und das war ich natürlich gewohnt und jetzt? Was glaubst Du Anna? Ganze fünfzehn Sekunden. Alles war verschmiert, als ich mir …“

Irgendwie hab ich ja fast ein wenig Mitleid – fast!

 

Was ich auch eher als uninteressant empfinde, ist die Tatsache, dass die Nachbarin, diese Schlampe, schon wieder einen Neuen hat:

„Sybille Du glaubst es nicht, der ist noch jünger, als der Letzte. Ich meine, er sieht ja wirklich ganz schnuckelig aus, aber dieser alte Drachen zerrt schon wieder so einen jungen Lüstling an ihre Bettkante. Wie meinst Du Sybille? Ja, meine Nachbarin ist genauso alt wie ich. Was hat das jetzt damit zu tun….“

Soll ich schon wieder Mitleid empfinden – kurze Nachdenkpause – fertig gedacht – Nein.

 

Ganz fein ist es auch, wenn sich Paare übers Handy in die Haare bekommen:

„Ich hab Dir doch gesagt, dass es später wird! Verdammt schrei mich nicht an! Was regst Du Dich so auf, wegen der vier Stunden! Vier Stunden! Weißt Du noch wie lange ich auf Dich warten musste, als Du mit dem Flieger aus München gekommen bist? Was heißt, das ist ganz was anderes? Du drehst Dir aber auch alles so lange zurecht bis es für Dich passt…“

Es fällt einfach schwer, nicht alles mitzubekommen. Teilweise hilft es ja nicht mal, wenn ich Musik höre.

 

Aber es gibt natürlich auch total wichtige Gesprächsthemen, wo man eigentlich gar nichts sagen kann:

„Was! Der Kluni Schorsch lässt sich Haare implantieren? Deswegen schaut der immer gleich aus. Na ja mit seinen NesTpresso Dingern wird er ja auch nicht schlecht verdienen. Weil mit den erfolgreichen Filmen ist es ja auch schon länger her bei ihm …“

Hab ich´s nicht gesagt…das ist doch schon ein Thema, welches uns wirklich alle betrifft.
 

Und derer gibt es einige. Der arme kleine Wauzi zum Beispiel. Nun ist der kleine Liebling schon wieder inkontinent, aber Damenbinden verhindern ja das Schlimmste:

„Wir waren ja gerade beim Tierarzt, der versteht es auch nicht. Was soll ich nur machen Maria, der Hund läuft uns ja noch komplett aus. Und er liegt doch so gern im Bett, aber ich will auch nicht dauernd neue Bettwäsche überziehen. Da hab ich ihm nun diese neuen Slipeinlagen besorgt und das funktioniert einigermaßen, da ich ….“

Es ist wahrlich ein Krampf – unser Leben – manche trifft es wirklich hart. Ich war mir bei dem vorangegangenen Thema nicht sicher, ob das nicht die Dame mit dem Nagellack war und ihr wahrscheinlich der Wauzi auf die Zehennägel … vielleicht hab ich mich auch geirrt.

 

Man lernt aber auch sehr viel dazu:

„Und dann bestellt sich dieser Küchen-Prolet einfach Reis zum Rostbraten. Reis! Hast Du mich gehört Stella! Das ist ja so, als würden die Chinesen plötzlich mit Messer und Gabel essen. Da gibt es nur eines als Beilage und das sind – verdammt noch einmal – Bratkartoffeln. Na das war unser letztes Date, wenn dieser Banause …“

Ok, kein Reis – definitiv kein Reis zu Rostbraten.

 

Auch straßenverkehrstechnisch lernt man ungeahntes dazu:

„…und dann komm ich zurück und sehe gerade noch, wie die meinen Wagen abschleppen. Mitten am helllichten Tag. Wie lange ich dort gestanden bin? Na eine knappe halbe Stunde. Ja in zweiter Spur! Was kann ich denn dafür, dass genau zu dem Zeitpunkt so viele Leute auf der Bank waren. Und die haben ja alle Zeit …“

 

Es gibt Tage, da amüsieren derartige Themen fast ein wenig, aber das Gros der Zeit…Irgendwie haben wir entweder keine anderen Probleme, oder …

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